Gründach und Retentionsbecken-Erweiterung beim Stadion Vegesack
Das neue Stadion Vegesack ist ein herausragendes Beispiel für die Integration von Schwammstadt-Prinzipien in ein Bauprojekt, das sich in einem sensiblen Überschwemmungsgebiet befindet. Der Neubau entsteht direkt an der Schönebecker Aue, unmittelbar neben einem Regenrückhaltebecken, und ist damit gezielt auf die Herausforderungen einer Lage im Überschwemmungsgebiet ausgerichtet. Es werden sowohl bauliche als auch organisatorische Maßnahmen umgesetzt: Das Stadiongebäude wird bis zu einer festgelegten Höhe wasserdicht ausgeführt, und für den Hochwasserfall existiert ein detaillierter Alarmplan. Außentüren können im Notfall mit einem Damm-Balkensystem gesichert werden, und es ist geregelt, dass sich bei drohendem Hochwasser keine Personen im Gebäude oder auf den Außenflächen aufhalten dürfen.
Ein zentrales Element im Sinne der Schwammstadt ist das rund 500 m² große Gründach mit einer Substrathöhe von 10 cm. Dieses Gründach speichert das auf dem Gebäude anfallende Regenwasser zunächst, verzögert den Abfluss und trägt so zur Entlastung der Kanalisation bei. Gleichzeitig verbessert es das Mikroklima, fördert die Biodiversität und bietet Lebensraum für Pflanzen und Insekten. Ergänzt wird das nachhaltige Gebäudekonzept durch eine Luft-Wasser-Wärmepumpe, eine Photovoltaikanlage sowie eine mechanische Be- und Entlüftungsanlage, wodurch das Stadion als Passivhaus ausgeführt wird.
Auch im Außenbereich wird das Schwammstadt-Prinzip sichtbar: Der Abriss des alten Sanitärtrakts schafft Platz für neue Grün- und Aufenthaltsflächen, die nicht nur zur Aufenthaltsqualität beitragen, sondern auch als Überschwemmungsfläche zur Verfügung stehen. So bleibt die natürliche Funktion der Aue als Retentionsfläche erhalten und das Quartier profitiert von einer ökologisch und städtebaulich aufgewerteten Umgebung.