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Naturnahes Regenwassermanagement im neuen Wohnquartier Gartenstadt Werdersee

Ausgangssituation

Das Plangebiet der Gartenstadt Werdersee war eine im Innenbereich als Grünland und Acker genutzte Fläche zwischen dem Friedhof Huckelriede, der Habenhauser Landstraße, dem als Dichterviertel bezeichneten Wohngebiet und dem Deich zur Kleinen Weser. Angesichts der Lage, des wachsenden Bedarfs an innerstädtischem Wohnraum und der zunehmenden Herausforderungen durch den Klimawandel wurde ein Bebauungsplan entwickelt, der Maßnahmen zum ökologischen Regenwassermanagement und zur Starkregenvorsorge von Beginn an berücksichtigt.

Umgesetzte Maßnahmen

Im Rahmen des Bebauungsplans 2452 wurden spezifische Regelungen zum Regenwassermanagement und zur Starkregenvorsorge festgesetzt und im städtebaulichen Vertrag vereinbart. Diese umfassen u. a. die Anlage von Mulden, Mulden-Rigolen-Systemen, Rinnen und naturnahen Gewässern, die als begrünte Retentionsflächen dienen und damit das Schwammstadtprinzip verfolgen. Hierzu gehört auch, dass den Gebäuden an den Angern/Mulden die Verpflichtung auferlegt ist, das Regenwasser der Dachflächen vollständig über ein Ableitungssystem den öffentlichen Grünflächen zuzuführen. Die Oberkanten der fertigen Fußbodenoberflächen der Erdgeschosse sind mindestens 0,1 m über Straßenhöhe herzustellen. Die Flächen für Zufahrten zu Garagen, Carportanlagen und PKW-Stellplätzen sowie die Stellplätze selbst und die Wege sind mit einer breitfugigen Pflasterung, offenporigen Steinen bzw. wasserdurchlässigen Belägen zu gestalten. Das Gefälle der Straßenprofile wurde so ausgelegt, dass bei Starkregenereignissen unkritische Stauräume entstehen und somit Gebäude in einer Extremlage besser geschützt werden können.  

Zudem wurden Versickerungssysteme und multifunktionale Rückhalteräume mit einer Überlaufmöglichkeit für naturnahe Entwicklungsflächen geschaffen. Die Begrünung von Carport-Dächern und einer verpflichtenden Dachbegrünung als Retentionsraum für die Geschosswohnungsbauten tragen zur Regenwasserspeicherung,-rückhaltung und -verdunstung bei.

Die umgesetzten Maßnahmen in der Gartenstadt Werdersee führen zu einer verbesserten Regenwasserrückhaltung und -versickerung, wodurch die Kanalisation im Gebiet und in dem benachbarten Quartier entlastet und das Risiko von Überflutungen bei Starkregen reduziert werden. Die Begrünungsmaßnahmen tragen zur Verbesserung des Mikroklimas bei und bieten Lebensräume für Flora und Fauna.

Weitere Projektdetails

• Plangebiet: ca. 15, 5 ha.
• 590 Wohneinheiten, davon rd. 315 WE im Geschoßwohnungsbau; 275 WE in Form von Reihenhäusern.
• KFW 55-Effizienzhaus, Auszeichnung als Klimaschutzsiedlung.
• Grünflächen: ca. 19 % öffentliche Grünflächen; ca. 25 % private Grünflächen.
• Schulstandort (Grundschule, 2-zügig).
• Kitastandort (ca. 100 Kita-Plätze).
• Einzelhandelsflächen zur Nahversorgung.

Besonderheiten

• Stärkung der Leitidee Gartenstadt und des öffentlichen Raums (hoher Anteil an Straßenbegleitgrün und Straßenbäumen im Bereich der öffentlichen Verkehrsflächen).
• Beteiligungsprozess in Form einer Planungswerkstatt (Bürger und Beiräte).
• Ausgewogene Verteilung des geförderten Wohnungsbaus im Quartier, Wohnungsanteil über 30 %.
• Sicherung der multicodierten Grünflächen im Bebauungsplan (Anpflanzgebote, Grünordnungsplan, Ausgleichsflächen, anteilige Kostenübernahmen für Pflege- und Unterhaltung der Grünflächen).
• Sicherung der hochbaulichen Qualitäten: Regelungen im Bebauungsplan und städtebaulichen Vertrag, Umsetzung von Vorgaben eines für das Plangebiet erstellten Gestaltungshandbuches und die Durchführung von Wettbewerben.
• Grundstücksneuordnung unabhängig von den Eigentumsverhältnissen durch Grundstückstausch in Anlehnung an das im Baugesetzbuch (BauGB) geregelte Umlegungsverfahren.
• Elektromobilität (Berücksichtigung einer Ladeinfrastruktur in 2017).