Stadtbäume
Bäume tragen durch Beschattung, Verdunstung und die Beeinflussung von Luftströmungen maßgeblich dazu bei, einer Erwärmung urbaner Räume entgegenzuwirken. Ihre Kühlleistung hängt unter anderem von der vorhandenen Blattmasse, der Intensität der Sonneneinstrahlung, der Windgeschwindigkeit, der Luftfeuchtigkeit sowie der Bodenwasserversorgung ab. Die stärkste Verdunstungskühlung findet innerhalb des Kronenbereichs statt, wo Temperaturabsenkungen von bis zu 3,5 °C erreicht werden können; in Bodennähe nimmt dieser Effekt ab. Gleichzeitig kann eine geschlossene Baumkrone in den Nachtstunden wie ein Wärmeschild wirken, indem sie die Abstrahlung von Wärme nach oben reduziert und so zu einem Wärmestau unterhalb der Krone beiträgt.
Mit ihrer umfangreichen Blattmasse sowie ihrem Stamm- und Wurzelraum fungieren Bäume zudem als natürliche Wasserspeicher und leisten einen wichtigen Beitrag zum Rückhalt von Regenwasser. Dieser Effekt lässt sich beispielsweise durch den Einsatz von hydrologisch optimierten Baumstandorten zusätzlich verstärken. Darüber hinaus erhöhen Bäume die Aufenthaltsqualität im Stadtraum und prägen durch ihren jahreszeitlichen Wandel das Stadtbild wesentlich. Sie übernehmen eine Funktion als natürlicher Schallschutz, bieten zahlreichen Tierarten Brut- und Lebensräume sowie Nahrungsquellen und sind damit zentrale Bestandteile des urbanen Biotopverbunds. Im Zuge der Photosynthese entziehen sie der Atmosphäre Kohlenstoff, produzieren Sauerstoff und tragen somit aktiv zum Klimaschutz bei. Gleichzeitig filtern sie Schadstoffe und Feinstaub aus der Luft.
Die Leistungsfähigkeit und die Gesundheit von Stadtbäumen hängen stark von den jeweiligen Standortbedingungen ab. Entscheidend sind ausreichend große, durchwurzelbare Bodenräume und eine verlässliche Wasser- und Sauerstoffversorgung im Boden. Insbesondere in dicht bebauten Stadtgebieten erfordert dies eine sorgfältige planerische sowie technische Ausgestaltung der Baumstandorte.
Straßenbäume
LEISTUNGEN: Verdunstung | Speicherung | Verschattung
Der Erhalt bestehender und die Schaffung neuer Baumstandorte im öffentlichen Straßenraum sind im Kontext der Schwammstadt von besonderer Bedeutung. Gerade hier können Bäume einen erheblichen Nutzen entfalten, sind jedoch zugleich mit anspruchsvollen Standortbedingungen konfrontiert, die sich deutlich von denen in Parkanlagen oder natürlichen Wäldern unterscheiden. Um ihre vielfältigen Funktionen außerhalb ihres ursprünglichen Lebensraums erfüllen zu können, benötigen Straßenbäume daher häufig zusätzliche Pflege und technische Unterstützung. Um die Vitalität bestehender Bäume zu fördern, sind Baumscheiben zu vergrößern und insbesondere bei hohen Flächenkonkurrenzen in der Straße vor einem Befahren von Kfz zu schützen.
Bei Neupflanzungen sollte neben der Auswahl geeigneter Arten und Sorten besonderes Augenmerk auf eine fachgerecht ausgeführte Pflanzgrube sowie ein geeignetes, gut durchwurzelbares Substrat gelegt werden. Die FLL empfiehlt bei Neuanlagen ein Mindestwurzelraumvolumen von 12 m³ bzw. 24 bis 36 m³ in Abhängigkeit der Baumart. Für eine langfristig stabile Entwicklung ist zudem eine gesicherte Wasserversorgung erforderlich, was in der Regel eine Bewässerung von mindestens 5 Jahren bis etwa zum zehnten Standjahr einschließt. Im Sinne des Schwammstadt-Ansatzes kann möglichst Niederschlagswasser von Dachflächen, Gehwegen oder anderen gering belasteten Flächen direkt in den Wurzelbereich geleitet werden. Auch stärker verschmutztes Oberflächenwasser kann nach entsprechender natürlicher oder technischer Vorreinigung genutzt werden. In längeren Trockenperioden kann die Bewässerung zusätzlich durch die Zwischenspeicherung von Regenwasser in Zisternen unterstützt werden. Staunässe ist hingegen unbedingt zu vermeiden; überschüssiges Wasser muss über geeignete Versickerungsmöglichkeiten oder Notüberläufe abgeführt werden. Reichen die natürlichen Bodenverhältnisse nicht aus, können technisch konzipierte hydrologisch optimierte Baumstandorte zur Verbesserung der Standortbedingungen beitragen.
Bei der Planung von Baumstandorten im Straßenraum kommt es häufig zu Nutzungskonflikten im unterirdischen Bereich, etwa mit Leitungen und anderer technischer Infrastruktur. Um tragfähige Lösungen zu entwickeln, ist eine frühzeitige und enge Abstimmung aller beteiligten Fachdisziplinen erforderlich. Gegebenenfalls können ergänzende Leitungsschutzmaßnahmen vorgesehen werden. Eine weitere Problematik stellt der Eintrag von Streusalz im Winter dar, der durch eine geeignete Gestaltung der Baumscheiben und eine (jahreszeitlich) angepasste Wasserführung möglichst verhindert werden sollte. Bei Straßenneuplanung sind Bäume von Beginn an in den Multifunktionsstreifen zu integrieren (FGSV, 2024).
Parkbäume
LEISTUNGEN: Verdunstung | Speicherung | Verschattung
Bäume in Parks oder anderen Grünflächen verfügen in der Regel über deutlich bessere Standortbedingungen als Straßenbäume. Größere, zusammenhängende, offene Bodenräume ermöglichen eine höhere Wasseraufnahme und -speicherung, die den Bäumen längerfristig zur Verfügung stehen. Dennoch stehen auch Parkbäume angesichts der klimatischen Veränderungen zunehmend unter Druck: Niederschlagsverschiebungen und anhaltende Trockenheit reduzieren ihre Vitalität und führen zu einer verringerten Widerstandsfähigkeit gegenüber Schädlingen. Auch hier gilt es daher, bestehende Standorte bestmöglich zu optimieren und bei Neupflanzungen auf geeignete Arten und eine solide Standortauswahl zu achten.
Hydrologisch optimierte Baumstandorte
LEISTUNGEN: Verdunstung | Versickerung | Speicherung | Verschattung
Hydrologisch optimierte Baumstandorte stellen ein zunehmend verbreitetes System dar, bei welchem Baumpflanzungen mit technischen Speicherelementen kombiniert werden. Der Baum nutzt das in der Rigole eingebrachte Substrat als durchwurzelbaren Raum und verfügt insbesondere während länger andauernder Trockenperioden über ein vergrößertes Wasserreservoir. Dadurch können erhöhte Verdunstungs- bzw. Transpirationsleistungen erzielt werden.
Aus Sicht der Baumvitalität sind diese Systeme jedoch nicht frei von Herausforderungen. Eine Abdichtung im Sohlbereich der Baumgrube kann die natürliche Tiefenentwicklung des Wurzelwerks beeinträchtigen. Darüber hinaus besteht das Risiko, dass eingeleitetes belastetes Oberflächenwasser – beispielsweise mit Streusalzen oder Reifen- und Bremsabrieb – zu Schäden am Baum führt. Ebenso kann sich Staunässe einstellen, die den notwendigen Gasaustausch im Wurzelraum behindert, nur wenige Baumarten tolerieren dauerhaft erhöhte Bodenfeuchten. Aus diesem Grund müssen derartige Speichersysteme grundsätzlich mit einem geeigneten Überlauf ausgestattet werden, der entweder an die Kanalisation oder an eine Versickerungsanlage angeschlossen ist. Ebenso können Speichersysteme räumlich getrennt vom Baumstandort gebaut und das gespeicherte Niederschlagswasser in Trockenperioden dem Baum zugeführt werden.
Gleichwohl können fachgerecht geplante und ausgeführte hydrologisch optimierte Baumstandorte, welche die standortökologischen Anforderungen des Baumes berücksichtigen und auf eine abgestimmte Auswahl von Substrat und Baumart setzen, einen bedeutenden Beitrag zur Umsetzung der Schwammstadt leisten. Um die dauerhafte Funktionsfähigkeit sicherzustellen, sind regelmäßige Kontrollen sowie eine kontinuierliche Wartung der Systeme erforderlich.
Weiterführende Literatur:
Handlungskonzept Stadtbäume Bremen
Empfehlungen für Baumpflanzungen (Teil 1 & 2) der FLL (2018)
DIN 18916 - Vegetationstechnik im Landschaftsbau: Pflanzen und Pflanzarbeiten
Bäume in der Stadt von Andreas Roloff, erschienen im Verlag Eugen Ulmer (2013)
FGSV (2024) Ad-Hoc-Arbeitspapier zur Anwendung der RASt06