Begrünte Flächen

Begrünte Flächen umfassen alle bodengebundenen Vegetationsflächen im urbanen Raum, darunter Gärten, begrünte Höfe, Parks, Sportflächen, Gleisanlagen mit Vegetation, Wiesen sowie Waldflächen. Als grundlegender Baustein der Schwammstadt übernehmen sie eine zentrale Rolle für den Wasserhaushalt und das Stadtklima.

Durch ihre unversiegelten Oberflächen ermöglichen begrünte Flächen die Versickerung von Regenwasser, dessen Speicherung im Boden sowie eine kontinuierliche Verdunstung über Vegetation und Bodenoberflächen. Begrünte Flächen haben eine geringe Wärmespeicherkapazität, sodass sie nachts stärker auskühlen als versiegelte und bebaute Bereiche. Sie fungieren so als Kaltluftentstehungsgebiete, von denen unter günstigen Bedingungen kühle Luft in die unmittelbar angrenzenden Siedlungsbereiche strömen kann. Die räumliche Wirkung dieser Kaltluft ist jedoch begrenzt: In der Regel entfaltet sich der kühlende Effekt nur in einem vergleichsweise kleinen Umkreis um die Entstehungsflächen und nimmt mit zunehmender Entfernung deutlich ab. Dennoch stellen begrünte Flächen wichtige Elemente der Hitzevorsorge im öffentlichen Raum dar, sind angesichts des Klimawandels und der damit zusammenhängenden Niederschlagsverschiebungen jedoch zunehmend selbst von Trockenheit oder Staunässe betroffen, was wiederum ihre Leistungsfähigkeit als kühlende Strukturen mindert.

Im Vergleich zu technischen Schwammstadt-Bausteinen verfügen begrünte Flächen über ein besonders hohes multifunktionales Potenzial. Neben wasserwirtschaftlichen und klimatischen Leistungen erfüllen sie soziale, ökologische und gestalterische Funktionen. Gut erreichbare Grünflächen im direkten Wohnumfeld erhöhen die Lebensqualität der Bewohner:innen, fördern Bewegung und Gesundheit und bieten darüber hinaus Lebensräume für zahlreiche Tier- und Pflanzenarten.

Begrünte Flächen sollten daher als zentrale Infrastruktur der klimaangepassten Stadtentwicklung verstanden werden. Ihr Erhalt, ihre Qualifizierung und – wo möglich – ihre Ausweitung sind wesentliche Voraussetzungen für eine resiliente Stadt. Je nach Ausprägung und Nutzung lassen sich unterschiedliche Typen unterscheiden.

Sport-, Freizeit- und Erholungsflächen

LEISTUNGEN: Verdunstung | Versickerung | Speicherung | (Verschattung)

Diese Grünflächen unterschiedlicher Größe bilden das Rückgrat des urbanen Grünsystems. Sie umfassen Sport- und Spielflächen, Friedhöfe und Parks und sind in der Regel öffentlich zugänglich. Je nach Größe und Ausgestaltung können sie in unterschiedlichem Maße zur Schwammstadt beitragen. Ihre Leistungsfähigkeit ist stark abhängig von Bodenverdichtung, Pflegeintensität und Nutzungsdruck. Ihrem Erhalt und ihrer Weiterentwicklung kommt eine besondere Bedeutung zu, da sie insbesondere für Bevölkerungsgruppen ohne Zugang zu privaten Grünflächen von großer Wichtigkeit sind.

Begrünte Innenhöfe

LEISTUNGEN: Verdunstung | Versickerung | Speicherung | (Verschattung)

Die Innenbereiche von Baublöcken weisen in der Regel ein enormes Potenzial zur Entsiegelung und Begrünung auf. Sie befinden sich überwiegend im halböffentlichen oder privaten Eigentum und entziehen sich damit häufig der direkten kommunalen Steuerung. Gleichzeitig bieten sie ein erhebliches Potenzial für die Umsetzung des Schwammstadtprinzips.

Begrünte Innenhöfe können Niederschlagswasser aufnehmen, speichern und verdunsten und so einen erheblichen Mehrwert für die direkt angrenzende Wohnbevölkerung und damit zum Schutz der Gebäude entwickeln. Ihr Beitrag zur Schwammstadt hängt maßgeblich von der Gestaltung und Pflege ab.

Ihr Potenzial kann insbesondere durch gezielte Förderprogramme, Beratungsangebote sowie planungsrechtliche Vorgaben zur Entsiegelung und Begrünung aktiviert werden. In der Summe vieler kleiner Flächen entfalten begrünte Innenhöfe eine erhebliche Wirkung für Klimaanpassung, Biodiversität und Wasserhaushalt und bilden damit einen zentralen Baustein der dezentral organisierten Schwammstadt.

Grüngleise

LEISTUNGEN: Verdunstung | Versickerung | (Speicherung)

Grüngleise bezeichnen Gleisanlagen des öffentlichen Verkehrs, die mit Vegetation – meist Sedum, Gräsern oder Stauden – begrünt sind. Sie stellen eine Sonderform begrünter Flächen dar, die insbesondere in stark versiegelten Straßenräumen einen wichtigen Beitrag zur Hitzeminderung leisten können.

Die Vegetation und das Substrat der Grüngleise nimmt Niederschlagswasser auf und gibt es zeitverzögert über Verdunstung wieder ab. Dadurch werden die Oberflächentemperaturen gegenüber klassischen Schottergleisen deutlich reduziert. In niederschlagarmen Perioden fallen die Systeme jedoch schnell trocken und können keine kühlende Funktion mehr erfüllen. Jedoch wirken Grüngleise zusätzlich lärmmindernd und werten den Straßenraum gestalterisch auf. Aufgrund der technischen Anforderungen sind Pflege und Aufbau speziell auf den Bahnbetrieb abzustimmen. Die Einsatzbereiche von Grüngleisen sind jedoch begrenzt, da ein Mischverkehr mit z.B. Bus- oder Autoverkehr nicht möglich ist und somit nur breitere Querschnitte oder exklusive Gleistrassen in Frage kommen.

(Blüh-)wiesen

LEISTUNGEN: Verdunstung | Versickerung | (Speicherung)

(Blüh-)Wiesen sind extensiv bewirtschaftete Vegetationsflächen, die sich durch eine hohe Artenvielfalt und überwiegend heimische Gräser und Stauden auszeichnen. Je nach gewählter Saatgutmischung eröffnen sie vielfältige gestalterische Möglichkeiten – von niedrigem, blütenreichem Wiesen bis hin zu artenreichen, hoch aufwachsenden Wiesenbeständen. Durch ihre eher hohe Verdunstungsrate und ihre gute Anpassungsfähigkeit an Trockenperioden stellen Blühwiesen und Blühstreifen einen wichtigen Baustein im Kontext der Schwammstadt dar.

Artenreiche Wildblumenflächen, Staudenpflanzungen oder kleinere Blühinseln können sowohl im öffentlichen als auch im privaten Raum an zahlreichen Standorten angelegt werden. Potenzielle Flächen finden sich etwa entlang von Straßen, auf Mittel- und Verkehrsinseln, auf wenig frequentierten Restflächen in Gewerbearealen oder Nachkriegssiedlungen, auf Schulgeländen sowie im Umfeld von Bürogebäuden. Auch innerhalb von Parks und anderen öffentlichen Freiräumen lassen sie sich gut integrieren.

Ihre besondere Bedeutung liegt vor allem im ökologischen Mehrwert, sofern sie nur ein bis zwei Mal im Jahr und abschnittsweise gemäht werden. Blühwiesen schaffen Nahrungsangebote und Rückzugsräume für Insekten, Vögel und weitere Tierarten und fördern die Vernetzung von Lebensräumen im urbanen Raum.